Bayerische Staatsoper: “Il trovatore” – 12./16. 11.2013

Jetzt ist es also passiert: der mediale Pulverdampf und der Premieren-Hype haben sich verzogen und der neue Trovatore ist auch im Repertoirebetrieb und –alltag angekommen. Aber auch dieser muss nicht zwingend grau sein, wie diese beiden Abende zeigten. Nicht grau, sondern größtenteils schwarz sind nach wie vor Bühnenbild und Kostüme von Pierre-André Weitz, die Inszenierung von Olivier Py wirkt bereits jetzt, nach den ersten Umbesetzungen, noch altbackener und belangloser als am Premierenabend.

BSO Trovatore WA Partie und Primadonna fest im Griff: Jonas Kaufmann (Manrico) und Krassimira Stoyanova (Leonora) – Foto: Wilfried Hösl

Dass der Publikumszuspruch ungebrochen lebhaft war, lag ohnehin nicht an der – nicht vorhandenen – visuellen Anziehungskraft der Szenerie, sondern sicher in erster Linie an Jonas Kaufmann. In der Tat war der Publikumsliebling auch in dieser Wiederaufnahme die Attraktion des Abends; verglichen mit der Premiere vor vier Monaten ist sein Vortrag noch deutlich geschlossener und reifer geworden, er hat sich die Partie mittlerweile perfekt in den Körper gesungen und sie sich musikalisch wie emotional angeeignet. Das dunkel glühende Timbre war in voller Pracht zu genießen, die Stimme strömt wunderbar leicht und geschmeidig, die Phrasierung ist mustergültig. Kurz gesagt: mir fiele derzeit kein anderer Tenor ein, der diese Partie so stilsicher, musikalisch und auch leidenschaftlich singen könnte. Einen wesentlich schwereren Stand hatte seine Leonora Krassimira Stoyanova. Vermutlich gibt es in der Branche kaum etwas Undankbareres, als diese Partie hier direkt nach der phänomenalen Anja Harteros singen zu müssen, mit jener im Ohr war es zugegebenermaßen schwierig, Stoyanova in ihrer so ganz anders gearteten Gesangskunst gerecht zu werden. Zunächst fasst sie die Rolle natürlich sehr viel lyrischer auf als ihre Vorgängerin und gestaltet Leonora als femme fragile, als den Singvogel unter lauter Falken… Da ist auch gar nichts gegen zu sagen und im dritten Akt, in der Arie „D’amor sull’ali rose“ und dem berühmten Miserere, öffnet sie auch die vokale Schmuckschatulle und begeistert mit feiner Linienführung, zartem Sopranschmelz und einer großartigen Pianokultur; das waren fünfzehn Minuten zum Schwärmen. An anderen Stellen dagegen stößt sie (noch) an stimmliche Grenzen, da fehlt es an Durchschlagskraft und Volumen, zudem bleibt immer eine gewisse Distanziertheit des Vortrags zu spüren. Aber das ist natürlich wiedermal auf sehr hohem Niveau gejammert…! Mit Vitaliy Bilyy als Luna stellte sich ein Sänger mit Potenzial in München vor; der junge ukrainische Bariton verfügt über einen kernigen Bariton von jugendlicher Frische und ausgesprochen maskulinem Timbre, in der Höhe entfaltet die Stimme einen regelrechten Trompetenton. Leider wirkt der Stimmsitz nicht durchgehend optimal, so dass in der mittleren und tieferen Lage die Stimme zu sehr in den Hals rutscht; wenn er dieses technische Defizit noch in den Griff bekommt und die Stimme besser zu öffnen lernt, kann er für sein Stimmfach eine echte Bereicherung werden. Elena Manistina war bereits in der Premierenserie etwas der Schwachpunkt der Besetzung gewesen und ist dies leider noch immer. Insbesondere am ersten Abend irritierte sie mit flackernder Tongebung, Höhenschärfen und Intonationsproblemen; dass sie ausgerechnet den letzten Ton der Aufführung völlig daneben setzte, ist Pech, das ist live und kann passieren. Am zweiten Abend sang sie immerhin wieder etwas sicherer. Neu im Team war Goran Jurić als Ferrando, dessen geschmeidiger Bass für solche Haudegen-Rollen beinahe eine Spur zu gepflegt klingt, und auch Mária Celeng, Neuzugang im Opernstudio, fiel mit den wenigen Sätzen der Ines durchaus positiv auf.

Die musikalische Leitung blieb in den bewährten Händen von Paolo Carignani, dem auch diesmal eine spannungsvolle und erfreulich differenzierte Wiedergabe gelang, auch wenn das Staatsorchester, vor allem am ersten Abend, noch einige Unkonzentriertheiten zeigte und sich erst nach und nach wirklich freispielen konnte.

Advertisements
This entry was posted in Oper, Uncategorized. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

w

Connecting to %s