Auf CD: “Heimliche Aufforderung” – Christiane Karg singt Strauss-Lieder

Ein „Mittelpunkt für Frohsinn, Rat und erste Tat“ sollte das Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz laut der Gründungsurkunde aus dem Jahr 1893 den Münchner Künstlern sein, sieben Jahre später wurde das Neo-Renaissance-Prachtgemäuer von Prinzregent Luitpold persönlich eingeweiht. Ganz so prominent besetzt war die jüngste CD-Präsentation der Firma Berlin Classics in den traditionsreichen Räumlichkeiten zwar nicht, doch die Dichte der anwesenden Journalisten, Kulturfunktionäre und –manager und kulturellen Adabeis konnte sich immer noch sehen lassen. Mit diesem Empfang stellte die Sopranistin Christiane Karg ihr neues Strauss-Album vor; eine CD mit starken München- und Bayernbezügen, wie die Künstlerin schon zur Begrüßung feststellte. Drangvolle Enge herrschte im Millerzimmer, als Christiane Karg und Pianist Malcolm Martineau ihre gemeinsame Arbeit vorstellten, sehr charmant und in anschaulichen und persönlichen Worten, fernab üblicher PR-Phraseologie. Trotz einer unüberhörbaren Indisposition der Sängerin durften einige Live-Kostproben nicht fehlen, die den Saal immer noch an die akustische Grenze brachten und zudem auf sehr eigenwillige Art mit den heißen Jazzrhythmen aus dem großen Festsaal wetteiferten… Das muss der oide Richard schon aushalten, im Jahr seines 150. Geburtstags.

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Der trotz einiger belegter Töne sehr positive Eindruck vom Abend wird beim Anhören der CD mehr als bestätigt. Hier zeigt sich die Sängerin bestens bei Stimme und überzeugt mit einer klugen und persönlichen Auswahl der Stücke ebenso wie durch ihre Interpretation. Christiane Karg gehört zu einer neuen, modernen Generation von Liedsängern und –gestaltern, bei denen opernhafter Stimmprunk, dick aufgetragenes Pathos und (pseudo)romantische Dauererregung nicht mehr angesagt sind. Stattdessen wird der narrative Aspekt betont, mit liedhafter Schlichtheit in Tongebung und Stimmführung agiert und vom Wort her gestaltet, Textwort und Stimmfarbe bilden idealerweise eine Einheit. Diese Qualitäten und dieser Interpretationsansatz prägen auch Kargs Strauss-Album. Hat man noch die hochdramatischen Geschütze im Ohr, die gerade in diesem Repertoire jahrzehntelang abgefeuert wurden, wirkt das zunächst vielleicht gewöhnungsbedürftig, aber Kargs Stimme besitzt genau die richtige Balance von Herbheit und Süße, ist technisch phänomenal und sehr ausdrucksstark. Gerade die Höhe entfaltet immer wieder betörenden Glanz, jedes einzelne Lied wird zu einem geschlossenen Kosmos mit eigener Struktur und eigenem Affektinhalt, im ganzen Programm kommt keinen Moment Monotonie auf. Klassiker wie Zueignung, Allerseelen, Freundliche Vision oder Morgen dürfen in der Kompilation nicht fehlen, daneben stehen aber auch weniger bekannte, zum Teil auch durchaus humorvolle Titel; Ziel der Künstler war es, einen Bogen über das Liedschaffen des Komponisten zu spannen und so dessen Entwicklung nachzuzeichnen. Mein ganz persönlicher Favorit sind die Drei Lieder der Ophelia op. 67 Nummer 1-3. Karg singt hier fast feenhaft schimmernd, macht aber auch den Odem des sanften Wahnsinns spürbar. Und das irrlichternde Perlen, das Malcolm Martineau am Flügel hier unterlegt, ist geradezu magisch. Auch in den anderen Stücken ist er ein sensibler und differenziert aufspielender Partner, dankenswerterweise ist der Klavierpart auf der CD nicht, wie sonst so oft, diskret in den Hintergrund weggemischt, sondern so plastisch und klar aufgenommen wie die Singstimme. In Das Alphorn hat der junge Hornist Felix Klieser einen Gastauftritt, der durchaus aufhorchen lässt.

Unter den Gästen der Präsentation befand sich auch der Bürgermeister von Christiane Kargs Heimatstadt Feuchtwangen, wo die Künstlerin in diesem Jahr ein neues Musikfestival auf die Beine stellt. Der verteilte Programmflyer liest sich jedenfalls interessant genug, um mal den Atlas raus zu kramen…

Berlin Classics 030056BC

www.edelclassics.de

www.christianekarg.com

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