Auf CD: Cornelia Lanz singt Lieder von Schubert, Verdi und Rossini

„Ist, dass Du schaffst und bildest, genug? Bist nicht nur eigenen Nutzens voll?“ – So formuliert die Titelfigur in Hindemiths Oper Mathis der Maler ihre Selbstzweifel betreffs der Verantwortung des Künstlers in politisch unruhigen Zeiten. Die Stuttgarter Mezzosopranistin Cornelia Lanz ist da schon einen bedeutenden Schritt weiter als der Maler; mit ihrem Verein Zuflucht Kultur e.V. engagiert sich Lanz seit 2014 für den kulturellen Austausch mit Flüchtlingen aus Syrien und anderen Kriegsgebieten, die unter Mitwirkung der Flüchtlinge erarbeiteten Opernproduktionen von Così fan tutte und Zaide – Eine Flucht (siehe Archiv Oktober 2014 bzw. August 2015) haben das Projekt auch medial bekannt gemacht, im Juli folgt mit Idomeneo bei den Ludwigsburger Festspielen der dritte Streich.

CD-Cover

Zuvor präsentiert sich Cornelia Lanz mit diesem nun bei Hänssler herausgekommenen Album einer breiten Öffentlichkeit als das, was sie auch und in erster Linie ist: eine exzellente Sängerin mit breitem Ausdrucksspektrum und mitreißender Musizierfreude. Dass sie für ihre Debüt-CD keinen der üblichen Mezzo-Musterkoffer mit „Che farò“ über Cherubino, Rosina bis hin zum Fürsten Orlovskij gepackt hat, sondern ein ambitioniertes Liedprogramm vorlegt, spricht für künstlerischen Ehrgeiz ebenso wie für ein gewisses Selbstvertrauen und den Wunsch; etwas Besonderes zu machen. So kombinieren Lanz und ihr versierter Klavierpartner Stefan Laux bekannte und weniger bekannte Lieder von Schubert mit einigen Romanzen von Verdi und Rossinis Solokantate Giovanna d’Arco. Dieses, „Carattere di donne“ betitelte Programm haben die beiden in den vergangenen Spielzeiten in dieser oder leicht abgewandelter Form bereits in einer Reihe von Live-Konzerten aufgeführt, entsprechend vertraut und organisch entwickelt klingt die Interpretation. Lanz’ seidig schimmernder und sinnlich timbrierter Mezzo fließt bruchlos durch die Skalen, in allen Lagen bestens fokussiert und hochmusikalisch im Vortrag. Die Textgestaltung ist natürlich und ungekünstelt, frei von falschem Pathos und übertriebener Theatralik. Lanz versteht sich im Liedgesang primär als Geschichtenerzählerin, die sich die titelgebenden Frauengestalten zu Eigen macht und deren Emotionen individuell und berührend in Töne zu gießen versteht; das gilt für die junge Nonne in Schuberts gleichnamigen Lied ebenso wie für die sehnsuchtsvolle Träumerin Mignon, die Highländerin Ellen aus dem Scott-Zyklus und schließlich die kriegerische Jungfrau Giovanna d’Arco. Aber auch den schwelgerischen Romanzenton der vier Verdi-Lieder aus den frühen Composizioni da camera trifft die Künstlerin mit großem Stilgefühl und emotionaler Dichte; das vermag auch vor der starken Konkurrenz von südlich des Alpenhauptkammes durchaus zu bestehen. Wenn kleinere Abstriche zu machen sind, betreffen diese die besagte Rossini-Kantate; diese Mini-Oper hat es sängerisch und gestalterisch richtig in sich und die Zahl der Kolleginnen, die sich dieser Herausforderung überhaupt stellen, ist entsprechend überschaubar. Lanz meistert das Opus respektabel, die widerstreitenden Gefühlslagen der Figur und die vokalen Brüche könnten allerdings noch präziser erfasst und differenziert werden. Das gilt auch für Stefan Laux am Flügel, dem hier das eine oder andere eine Spur zu vordergründig polternd gerät; ansonsten ist sein Spiel nicht nur wie gewohnt philologisch hochkompetent, sondern auch farbenreich und stilistisch mustergültig.

Fazit: Da auch die technische Qualität und das Klangbild vorbildlich präsent und natürlich sind, sollte kein Freund des Liedgesanges an dieser Aufnahme vorbeigehen.

www.haensslerprofil.de

www.cornelia-lanz.de

http://www.zufluchtkultur.de

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