CD: Pavol Breslik singt Mozart-Arien (Orfeo)

Wenn eine neue CD in die Läden kommt, bzw. von den Firmen angekündigt wird, gibt es viele mögliche Reaktionen: von Freude („Klasse, muss ich haben!“) über Staunen („Wie kommen sie denn darauf?“, bzw. „Was, den gibt’s noch?“) bis hin zu Kopfschütteln („Muss das wirklich sein?“). Und dann gibt es CDs, auf die man schon lange sehnsüchtig gewartet hat und dann seligen Blickes in Händen hält („Na endlich!“).

Breslik Mozart CD

Dieses neue, von Orfeo vorgelegte Mozart-Album von Pavol Breslik gehört absolut in die letzte Kategorie; denn trotz seiner erst 37 Jahre gehört der aus der Sänger-Hochburg Bratislava stammende Künstler seit gut zehn Jahren zu den Marktführern seines Fachs und zu den weltweit profiliertesten Mozart-Interpreten. Warum das so ist, hört man vom ersten Ton an: Breslik verfügt nicht nur über exquisites und geradezu betörend schön timbriertes Material, großartige Technik und stupende Gesangskultur, sondern auch über das gewisse Etwas, das seine Interpretation so einzigartig macht und in die Ahnengalerie des Mozart-Gesangs einreiht. Wie das Coverfoto im coolen Jeans-Outfit und mit Hipsterbart schon nahelegt, geht es hier auch vokal durchaus zur Sache, bei aller lyrischen Qualität der Stimme verfällt Breslik nie in bedeutungslosen Schöngesang; die hier präsentierten Charaktere sind keine schmachtenden Softies, sondern echte Kerle, die um ihren Platz und ihr Lebens- und Liebesglück kämpfen. Bei Breslik ist das endlich auch zu hören, sogar bei Don Ottavio und Tamino. Technisch hat er ohnehin alles drauf, was man für dieses Repertoire braucht, die Stimme sitzt wunderbar auf dem Atem, fließt drucklos und mit großer Leichtigkeit, die Koloraturen kommen wie an der Schnur gezogen und die Akzente und Wortbetonungen sind stets organisch entwickelt und geschmackvoll und kultiviert umgesetzt. Dabei, und das ist gerade das Tolle, besitzt die Stimme bei allem tenoralen Schmelz auch einen metallischen Kern und gewisse Kanten. Das macht den Vortrag richtig interessant und sorgt für einen Hauch Freiheit und Abenteuer, eine Prise undomestizierter Männlichkeit, die man nicht von vielen Fachkollegen zu hören bekommt… Um das jetzt mal wohlwollend auszudrücken.

Das Programm vereint die Tenorprotagonisten der „großen“ Mozart-Opern, angefangen mit Idomeneo, hier vertreten durch zwei Rollen, neben Idomeneos großem Monolog „Fuor del mar“ singt Breslik auch Idamantes „Non ho colpa“ und verleiht somit Vater und Sohn stimmgestalterisch Profil. Es folgen die beiden Arien des Don Ottavio aus Don Giovanni, Ferrandos „Un’aura amorosa“ aus Così fan tutte, zwei der Belmonte-Arien aus der Entführung und schließlich ist natürlich auch Bresliks absolute signature role, der Tamino, mit drei Ausschnitten vertreten; in der Szene zwischen Tamino und dem Sprecher gibt der große José van Dam sich und ihm nochmal die Ehre, allein diese Nummer lohnt die Anschaffung der Scheibe. Abgerundet wird das Programm durch die Konzertarie „Misero! O sogno! Aura, che intorno spiri…“ Mir völlig unverständlich ist allerdings, warum mit „Se all’impero, amici Dei“ aus La clemenza di Tito eine der großartigsten Tenorarien Mozarts im Programm fehlt. Und auch eine Kostprobe aus den früheren Werken Mozarts vermisst man durchaus, da gibt es in Lucio Silla oder im Mitridate auch einiges, was ich hier gerne gehört hätte… Und Platz wäre nun wahrlich genügend gewesen, denn mit gerade mal 55.37 Minuten Nettospielzeit ist die Platte für eine Vollpreis-CD quantitativ eigentlich unverschämt kurz geraten!

Die orchestrale Grundlage liefert das Münchner Rundfunkorchester auf gewohnt hohem Niveau, über das zuweilen arg „sportive“ Dirigat von Patrick Lange kann man geteilter Meinung sein, hier hätte manches doch viel mehr ausgekostet werden dürfen… Was vermutlich modern und entschlackt gemeint war, wirkt über weite Strecken eher hektisch getrieben.

Editorisch nicht unbedingt eine Meisterleistung, vokal dafür umso mehr. Kaufempfehlung? Ja, also bitte, was denn sonst? Must have-Faktor: zehn von zehn möglichen Punkten.

MOZART – Pavol Breslik (Tenor), Münchner Rundfunkorchester/ Dirigent: Patrick Lange

ORFEO C889 161A

www.orfeo-international.com

www.pavolbreslik.com

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