Auf CD: Anita Rachvelishvili singt Opernarien (Sony Classical)

Chili-Schoten in Samthülle

Seit ihrem Scala-Debüt als Carmen 2009 kennt die Karriere der georgischen Mezzosopranistin Anita Rachvelishvili nur eine Richtung: steil nach oben. Ob Scala oder MET, Arena di Verona oder Berliner Waldbühne, München oder Milano, Hauptsache Mezzo… Wenn an einem bedeutenden Opernhaus eine Besetzung für Carmen, Azucena, Amneris oder Dalila gesucht wird, ist die attraktive Künstlerin mit der Riesenstimme und dem latent zungenbrecherischen Nachnamen (gesprochen: Ratsch-we-litschwilli) stets auf der Shortlist der Castingbüros. Kein Wunder also, dass nun auch Sony Classics zugegriffen und ein erstes Solo-Album auf den Markt gebracht hat.

Um es gleich zu sagen: das ist nicht nur irgendeines der vielen, mehr oder weniger austauschbaren Sängerporträts, sondern eines der aufregendsten seit einiger Zeit, eine CD zum Schwelgen und Schwärmen. Das Rollenspektrum ist vielfältig und stilistisch weit gefasst; natürlich sind ihre Paraderollen Carmen, Dalila und Azucena – jeweils mit beiden Arien – vertreten, aber auch Massenets Charlotte, Verdis Eboli und Mascagnis Santuzza. Abgerundet wird das Programm durch einige Raritäten wie das herzzerreißend melancholische Lied der Ljubasha aus Rimskij-Korsakovs Die Zarenbraut – mit dieser Partie triumphierte sie an der Berliner Staatsoper (siehe Archiv Oktober 2013) – , die große Szene der Sapho aus Gounods gleichnamiger Oper und schließlich die Arie der Königin Tamar aus der Oper Die Legende von Shota Rustaveli aus der Feder des Prokofjev-Zeitgenossen Dimitri Arakishvili; in seiner herbsüßen Klangsprache und effektvollen vokalen Linienführung fast schon ein georgischer Puccini.

Vor allem aber ist dieses Album eine ungemein eindrucksvolle und faszinierende Demonstration vokaler Grandezza, prickelnder Sinnlichkeit und reflektierter Gesangskunst. Rachvelishvili schlägt keine bloße sängerische Materialschlacht, sondern führt ihre gewaltige Stimme stets fokussiert, stilisicher und differenziert, sie kann, wo erforderlich, in allen Lagen auftrumpfen, aber auch feinste Klanggirlanden spinnen und sanft trauern oder verführerisch locken. Zudem ist ihr Material nicht von jener schlackenlos glatten, ebenmäßigen Perfektion anderer Mezzi; hier hört man auch mal einzelne sehnige oder schärfere Töne, die vokale Samthülle enthält ganz schön würziges Klang-Chili, hier singt keine Eiskönigin, sondern eine Feuerpriesterin.

Zu dem überragenden Gesamteindruck trägt auch Giacomo Sagripanti am Pult des Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI seinen Teil bei. Der stilistisch höchst versierte Maestro, noch der jüngeren Generation zugehörend und auf dem Sprung an die ganz namhaften Pulte der Opernwelt, zaubert für jeden Komponisten und jedes Stück eine schillernde und individuelle Klangkulisse von höchster Suggestivkraft und ist der Sängerin ein kongenialer, aktiv mitschöpferischer Partner.

Gehabt Euch also wohl und hört was Schönes,

Euer Fabius

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